Irrlichter sind tanzende, blaue Flämmchen im Moor. In alten Geschichten bringen sie
Menschen von ihrem geplanten Weg ab. Ähnlich wie Irrlichter laden wir dich dazu ein,
dich tiefer ins Moor zu wagen.
Warum machen wir dieses Projekt?
Es ist schwer einem Moor in Deutschland zu begegnen. Entweder ist das Gebiet, als
einer der letzten intakten Lebensräume, streng geschützt; oder es wird als Maisacker
oder Torfabaugebiet genutzt und man sieht ihm das Moorsein gar nicht mehr an.
Wir sind der Meinung, es braucht Orte dazwischen. Moore, die wir anfassen dürfen,
in denen wir das Schwanken des Bodens spüren und miteinander Ideen entwickeln, wie
wir in Zukunft mit dem Moor leben wollen.
Wenn wir alle Moore in Deutschland wiedervernässen wollen, brauchen wir neben neuen
Förderrichtlinien und wissenschaftlicher Begleitung auch besonders eines:
Vorstellungskraft.
Warum ein seltsamer Pfad ins Moor?
Wir bauen explizit keinen mehrjährigen, festen Holzsteg. Denn von dort aus kann ich
als Besucher:in das Moor zwar sehen, aber nicht spüren — ich bleibe in ‚sicherer‘
Distanz. Diese Trennung verhindert Erfahrung. Sie macht es schwer, Verbindungen zu
knüpfen, mich selbst unmittelbar in die Auseinandersetzung zu begeben, das Moor
tatsächlich an mich heranzulassen.
Unser Anspruch ist es, dass wir nicht nur einander, sondern auch das Moor ernst
nehmen. Das bedeutet konkret, dass wir uns nach den Gegebenheiten vor Ort richten und
eine Infrastruktur erschaffen, die sich „weich“ in die Umgebung einfügt anstatt sie
verändernd zu wollen.
Dafür bauen wir mit nachwachsenden Rohstoffen von vor Ort und folgen in unserem
zeitlichen Ablauf dem Wasser: Nur im Sommer finden Gastronomie und Veranstaltungen
statt, in vielen Winter ist das Gelände des Moorbauern überflutet. Wir machen uns das
zum Prinzip, beginnen im Frühjahr mit der Planung vor Ort, bauen und nutzen den Pfad
im Sommer, denken im Herbst darüber nach, was wir gelernt haben und überlassen ihn
anschließend dem Winterhochwasser.
Wie kann unser Leben mit dem nassen Moor aussehen?
Wir nähern uns diesen Fragen auf zwei Ebenen.
1
Mit unseren Füßen und Händen im Schilf bauen wir einen Moorpfad
Oft ist es leichter ins Gespräch zu kommen, während man arbeitet, sich
kennenlernen darf über den Satz „Kannst du mir mal die Zange geben?“ Dazu macht
es Spaß, sich gemeinsam einen Weg zu suchen, zu entdecken, überrascht zu
werden. An einen Ort ins Moor zu kommen, an den man nie allein gegangen wäre: in
die Wasserminzhöhle, an die glänzende Pfütze oder in das Schilfmeer.
2
Während des gemeinsamen Arbeitens entstehen oft flüchtige Momente, Gedanken und
Erfahrungen. Diese halten wir fest, daraus entsteht unsere Sammlung
Wir sammeln Gespräche, Notizen, Fotos, Skizzen und Geräusche. Die Sammlung ist
wie ein Logbuch, das uns den ganzen Sommer begleitet. Sie hilft uns dabei
unsere Erfahrungen einzuordnen und die oft unsichtbaren Teile unseres Prozesses
sichtbar zu machen. Ende des Jahres machen wir aus der Sammlung ein Buch.
Mit unserem Projekt erforschen wir gedanklich und ganz praktisch, wie wir gerade aus
all den verschiedensten Perspektiven auf Moore uns gemeinsam einen Weg über den
unsicheren Boden bauen können. Wie verändert sich unsere Vorstellungskraft, wenn wir
mitten im Schilf darüber sprechen?